Dornenblüte

Mitte 20 

Man ist noch jung.

Man muss vieles lernen.

(Und glaubt recht eifrig, dass man ALLES kann.)

Man greift ins Klo und denkt man greift nach Sternen.

Man ist noch jung.

Man muss vieles lernen und denkt im Stillen:

„Wann?“ 

Auf dem Nachhauseweg 

(nach einer Feier) 

Gehst du durch Straßen wachsen die Schatten.

Unheimlich ist es.
Verlassen.
Und leer.
Die Häuser gleichen toten Gerippen.

Schaufenster scheinen aus anderer Zeit.

Dein Gang ist müde,
langsam,
schwankend.
Doch bis nach Hause
ist es noch weit. 

Die Verführung 

Der Kopf ist angenehm leer.

Der Gedanke denkt nicht mehr.

Er würde doch nur stören.

Keiner möchte Gedanken hören. 

Stelle dich dumm!
Stelle dich taub!
Beides ist gut.
Beides erlaubt.
Überlass das Denken ganz allein mir!
Ich bin auch immer gut zu dir!
Du kannst mir ruhig vertrauen!
Du kannst auf mir ganze Städte bauen!

Nur dein Denken sei mein! 

Du und ich 

Ich sehe in dein Gesicht.
Ich sehe so vieles.
Ich sehe nichts.
Dein Mund bewegt sich.
Deine Sprache spricht.
Ich höre so vieles.
Ich höre nichts.
Die Augen taub.
Die Ohren blind.
Weiß auch nicht wer ich gerade bin
oder wo im Chaos wir verweilen.
Bis zur Vernunft sind ́s tausende Meile

Dornenblüte 

Ich hasse dich.
Ich brauche dich.

Warum ́s so ist
versteh ich nicht.
Ich liebe dich
ganz ohne Liebe.
Aus Dornen wachsen neue Triebe.

Blüh! Rose! Blüh!
Blüh. Rose. Blüh.
Egal welche Farbe - blüh!

Egal welche Dornen - blüh!
Ich winde mich.
Ich weigre mich.

Warum ́s so ist
versteh ich nicht.
Liebt mich die Welt
ganz ohne Liebe?
Aus Dornen wachsen neue Triebe.

Stechen lange.
Stechen tief.
Das Blut im Bach hinunterlief.

Tropft auf den Boden,
färbt ihn rot.
Nun ist die Liebe mausetot.
Blüh! Rose! Blüh!
Blüh. Rose. Blüh. 

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