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Ein neues Buch entsteht:

Fiona und Hannelore

Bevor ich "Das Zimmer" geschrieben habe, saß ich eigentlich an einer ganz anderen Geschichte: Fiona und Hannelore, die am Anfang noch Hannelore und Fiona hieß. Es wird mein nächstes Buch werden, vorrausgesetzt, ich schreibe nicht außversehen kurzfristig ein anderes und dieses muss wieder auf Vollendung warten. Ihr sollt hier immer ein Kapitel lesen können.  Ich hoffe, die neue Geschichte macht euch Freude. Zumindest habe ich meinen Spaß, während ich sie mir ausdenke. :-)

Eure Linnea

Fiona und Hannelore Text Hintergrund.001
Fiona und Hannelore Text Hintergrund.001
Fiona und Hannelore Text Hintergrund.001
Fiona und Hannelore Text Hintergrund.001

Teanus Vater zog abermals an seiner Pfeife. In der Ferne rief ein Vogel der Nacht. Sein Ruf klang schaurig. "Du bist also seit drei Monaten anstatt in die Schule der Schreiber zu gehen zu den Feldern vor der Stadt gelaufen, um dort einem Eselhirten bei der Arbeit zu helfen." Teanu nickte mit gesenktem Kopf. "Ihm hast du auch die drei Silbermünzen gegeben, um dir eine Eseldame zu kaufen?" "Ja, Vater." "Nur reichen drei Silbermünzen nicht aus, um ein Tier sein Eigen nennen zu können, schon gar nicht ein Jungtier. Sag, Teanu, wie viele Silbermünzen fehlten dir?" "Sieben. Mir fehlten sieben Silbermünzen." Teanus Stimme klang sehr leise und sehr schuldbewusst. "Was gibt dir der Hirte für einen Tag Arbeit? Wie entlohnt er meinen Sohn?" "Er gibt mir eine halbe Kupfermünze." Teanu gab sich alle Mühe, nicht zu weinen. Sein Vater legte sanft die Hand auf seinen Kopf. "Ich habe heute Nachmittag mit deiner Mutter gesprochen. Wir waren uns einig, dass unser Sohn nicht ohne Grund lügt und seiner Ausbildung als Schreiber nicht nachgeht. Deine ehrlichen Worte haben mir gezeigt, dass wir mit dieser Einschätzung Recht hatten. Jedoch hättest du mit uns reden sollen! Warum hast du dich nicht mit uns besprochen, mein einziger Sohn?" Noch immer entbehrte die Stimme seines Vaters jeglichen Ärgers. Vielmehr schwang Besorgnis in seinen Worten mit. "Ich wollte euch überraschen. Mit dem Esel und der Ausbildung zum Freund der Esel. Ich wollte euch Stolz bringen!" In Teanus Augen standen nun die Tränen. Er erhob sich rasch, lief über den Hof zurück in den Vorraum des Hauses, fiel neben dem Korb mit den Kokosnüssen, dem Palmblatt und Hannelore auf die Knie, schlug die Hände vor sein Gesicht und weinte bitterlich. Hannelore hob den Kopf in seine Richtung, wackelte mit ihrem sehr kleinen Schwanz und kroch langsam auf den Jungen zu.

 

Erste Sonnenstrahlen ließen erahnen, dass der Sonnengott die Tore zu seinem prächtigen Palast geöffnet hatte, um auf seinem goldenen Wagen über den Himmel zu jagen. Fiona betrat das Deck der hölzernen Galeone. Einige Matrosen betätigten die Winde, die den schneeweißen Anker empor hievte. Am Steuerrat stand breitbeinig ihr Vater, den Blick prüfend auf die Segel gerichtet, die losgemacht sich mit Wind füllten. Fiona stellte sich an die Reling, blickte über den Hafen der schiefen Stadt Urilon und dachte an Hannelore. Der alte Jim gesellte sich zu ihr. Sie schwiegen, während, so kam es Fiona zumindest vor, die Stege sich langsam entfernten, als wären sie es, die sich bewegten, nicht das Schiff. Fiona blickte betrübt zu Jim hoch. Der alte Matrose seufzte. "Kleine, wir lassen alle an einem Hafen Lebensdiamanten zurück, um sogleich am nächsten Hafen neue zu sammeln." Fiona blickte wieder in Richtung der langsam schrumpfenden Stadt. "Was sind Lebensdiamanten?" "Dinge, die in unserem Leben funkeln. Die uns reich werden lassen. Das können Freundschaften sein, das können Liebschaften sein oder auch die Familie. Dinge, bei denen der bloße Gedanke an sie genügt, um unser Herz zum leuchten zu bringen. Das sind Lebensdiamanten." Fiona nickte nachdenklich. "Dann sind Hannelore, mein Vater, der Kapitän, und du Lebensdiamanten für mich." Der alte Jim lächelte errötend, während er sorgfältig seine Pfeife stopfte. Einige Möwen begleiteten das Schiff ein Stück in die offene See hinaus, drehte dann ab, kreisten über den Wellen, wurden kleiner und kleiner, bis Fiona die Vögel mehr erahnte, als dass sie sie sah. Das Schiff pflügte mit prall gefüllten Segeln durch die Wellen, während die Sonne sich aus den Fluten zu erheben schien, um ihren Weg über den Himmel zu beginnen.

 

Soraja versuchte ein Zittern zu unterdrücken. Der Lehrer räusperte sich, blickte auf, blickte in angespannte, erwartende Gesichter, räusperte sich erneut und begann dann, den Fortschritt eines jeden seiner Schüler zu beurteilen. Ein Namen nach dem nächsten wurde aufgerufen. Der Schüler erhob sich, ging nach vorne zum Lehrer, legte drei Silbermünzen in seine offene Hand und hoffte, dass dieser seine Hand nickend schloss. Mit dieser Geste signalisierte der Lehrer, dass er mit dem Schüler zufrieden war und ihn weiter unterrichten würde. Dem ein oder anderen gab er mit ernst klingender Stimme zu verstehen, dass er bessere Leistung erbringen sollte, wollte er in einem halben Jahr wiederum, dass der Lehrer die Hand schloss. Sorajas Name erklang. Ihre Knie fühlten sich wacklig an, als sie sich von ihrem Platz erhob, nach vorne ging und ihre drei Silbermünzen, die ihre Mutter ihr am Morgen mit den Worten "mach uns Stolz" gegeben hatte, in die Hand des Lehrers legte. Sie tat es mit klopfendem Herzen und für einen Moment schien die Angst, nicht weiter unterrichtet zu werden, ihr die Luft wegzudrücken. Wenn sie diese Münzen wieder zurück nach Hause bringen müsste - ihre Mutter würde sie grün und blau schlagen, würde all ihrer Enttäuschung ob des Versagens ihrer Tochter freien Lauf lassen und sie sicherlich nie wieder lieb haben.

Der Lehrer schloss die Hand.

Soraja atmete erleichterte auf.

Ein neuer Name wurde aufgerufen.

Soraja ging zurück auf ihren Platz und wartete geduldig und schweigsam, bis alle Namen genannt worden waren. Der Lehrer beglückwünschte diejenigen, die weiterhin zu seinen Schülern zählen dürften und sprach denen Mut zu, die den Eltern die Münzen zurückgeben mussten. Am späten Nachmittag, als die Sonne sich deutlich zu neigen begann und das Licht golden färbte, konnte man aus so manchem Haus der schiefen Stadt Urilon das Wimmern eines Kindes hören, während aus anderen stolzes Lachen auf die Straßen drang.

Sorajas Mutter drückte ihre Tochter an ihre Brust und lachte voller Stolz. "Ich habe nichts anderes von meiner Tochter erwartet! Du hast uns alle Ehre gemacht! Lass nun nur nicht nach, hörst du? Du hast einen Ziegel deiner Zukunft geformt, das Haus musst du erst noch daraus bauen!" Soraja nickte artig. Ihr Magen knurrte laut. "Höre ich da etwa ein Magenknurren?" Ihre Mutter zwinkerte. "Wie gut, dass ich frisches Brot gebacken und auf dem Markt die Wolle unserer drei Schafe gegen Oliven, Datteln und Ziegenkäse getauscht habe." Soraja lief das Wasser im Mund zusammen. "Dein Vater wollte heute früher von den Feldern nach Hause kommen, um mit uns deine Leistung zu feiern. Schüttele du nur schon die Kissen im Hof auf! Er ist sicher gleich da." Soraja lief in den Hof, hielt ein Kissen nach dem nächsten in ihren Armen, hopste fast schon übermütig auf und ab und sang leise: "Ich habe kein Kupfer, ich habe kein Silber, ich lerne, ich lerne, ich lerne wie man schreibt und liest, wie man liest und schreibt, ich lerne, ich lerne, ich lerne wie man schreibt." Ihr Vater, der von ihr unbemerkt den Hof betreten hatte, lachte vergnügt und zwinkerte seiner Frau vielsagend zu. "Meine Tochter lernt also ein weiteres halbes Jahr den Beruf des Schreibers! Da braucht sie doch sicherlich dieses Tuch voller Datteln, um bei Kräften zu bleiben!" Soraja lief jauchzend durch den Hof, nahm das Tuch entgegen und schob sich eine der Früchte in ihren breit grinsenden Mund. Dann setzte sich die Familie auf die Kissen und genossen Käse, Oliven und Brot, bevor der Vater den Blick in den flammend roten Himmel gerichtet davon zu erzählen begann, wie die Götter vor langer, langer Zeit die Fassade des Himmelpalastes versehentlich neongrün angestrichen hatten.